Chronik vor 1900

Erste Besiedlungen auf dem Gebiet der Gemeinde Ludwigsfelde sind, durch archäologische Funde belegt, bis zurück ins Zeitalter der Ur- und Frühgeschichte nachweisbar. Die etwas exakter datierbaren Ereignisse sind nachfolgend aufgeführt. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wir jedoch nicht.

JahrEreignis
11.06.1157Der Askanier Albrecht der Bär erlangt nach blutigen Kämpfen die Macht in der Burg Brandenburg zurück. Die Mark Brandenburg wird gegründet.
ca. 1180Frühe Besiedlung auf dem Gebiet der heutigen Kernstadt. Bei archäologischen Ausgrabungen wurden Reste einer zweischiffigen Holzkirche aus dieser Zeit gefunden. Ebenso die eines Brunnens von vor 1240, welcher später rekonstruiert wurde und die Reste einer Feldsteinkirche aus der Zeit um 1250.
1375Im Landbuch Karls IV. wird der Ort Damsdorf als „Danstorff prope Trebbin“ (Damsdorf bei Trebbin) erstmalig erwähnt.
1413Aus einer Urkunde geht hervor, dass die von Torgow zu Zossen „Danßdorff“ vom Markgrafen zu Lehen hatten.
1497Erwähnung Damsdorfs als „halben wusten veltmarck zu Domstorff“.
1537Damsdorf ist einem Lehenbrief zufolge im Besitz der Otterstedt's und Boitin.
1539/40In der Region vollzieht sich der Übergang zum Protestantismus.
1540Damsdorf wird in den Dokumenten die „wuste veltmarcke Dambstorff“ genannt. Es ist verlassen, nur noch eine Wüstung.
Näheres dazu hier:
1610Auf dem Gebiet der Wüstung Damsdorf existiert lediglich eine Schäferei.
1623Erwähnung Damsdorfs als eines von 6 Dörfern, die wüst geworden waren.
1644Nach dem Tode des Kaspar von Bettin geht Damsdorf in die Besitzungen derer von Schlieben über, allerdings nicht für lange Zeit.
1618-48Während des 30-jährigen Krieges kommt es in der Region wiederholt zu Plünderungen.
1713In einem Bericht über den südlichen Teltow wird Damsdorf noch als wüste Feldmark bezeichnet, in der noch die Reste der alten Kirche erkennbar sind.
1748Der Kriegs- und Domänenrat Johann Gottfried Pfeiffer bereist im Auftrage des Königs von Preußen die Lande, um die Kolonisation in die Wege zu leiten.
1750Friedrich der Große veranlasst die Binnenkolonisation und Wiederbevölkerung verlassener Orte (Repeuplierung). In diesem Zusammenhang wird auch die Gegend nahe der Wüstung Damsdorf wieder besiedelt.
1750Gründung der Kolonie Damsdorf. Die Namensgebung erfolgte in Anlehnung an den ehemaligen Ort/Wüstung Damsdorf. Es werden längs der heutigen Genshagener Straße einige Spinnerfamilien angesiedelt, die in für sie errichteten strohgedeckten Häusern wohnen. Es wurden zunächst 4 Häuser errichtet, die aber um 1900 wegen Einsturzgefahr abgerissen werden mussten. Damsdorf gehörte zum Gut Genshagen.
1750Gründung der Kolonie Ludwigsfelde in unmittelbarer Nachbarschaft zu Damsdorf. Beide Orte sind lediglich durch den Weg nach Wietstock getrennt. Insgesamt wurden in beiden Kolonien „12 ausländische kleine Wirthe“ angesiedelt. Der Name des Ortes ist auf den Gutsherren zurückzuführen, der das Land für die Besiedlung zur Verfügung stellte, Ernst Ludwig von der Gröben.
24.12.1753Der Kolonie Ludwigsfelde wird durch königliche Transact "der Bier- und Branntwein-Verlag, auch Mühlen-Consumtion" bewilligt. Gleichzeitig ist dies die erste urkundliche Erwähnung von Ludwigsfelde.
um 1754379Errichtung des Wirtshauses "Alter Krug" in Ludwigsfelde, des ältesten noch erhaltenen Gebäudes der Stadt als siebenachsiger Fachwerkbau. Bei späteren Umbauarbeiten wurde ein Ziegel mit diesem Jahr als Stempel gefunden und dem Museum des Teltow übergeben. Zunächst trug es allerdings den Namen "Goldener Hirsch". Der Krug war eine beliebte Ausspanne, da er jeweils genau eine Tagesreise von Jüterbog und Berlin entfernt lag. Als Pferdetränke diente der Dorfteich. Heute ist das Gebäude das letzte Überbleibsel der alten Kolonie, es steht seit 1936 unter Denkmalschutz. Nach mehreren Umbauten befindet es sich heute im Besitz der Familie Becker.
1755Ludwigsfelde beherbergt 25 Einwohner an 11 Feuerstellen.
1773Nach dem Tode Ernst Ludwigs von der Gröben geht Ludwigsfelde in die Herrschaft von Erasmus Ludwig Friedrich von der Gröben über.
1791Zu Ludwigsfelde gehören 11 Feuerstellen, 9 Büdner, 1 Krüger und 59 Seelen. Major a. D. Karl Wilhelm von der Gröben tritt das Erbe seines verstorbenen Bruders Erasmus an. Ludwigsfelde hat einen neuen Eigentümer.
1795Die Postroute von Berlin nach Luckenwalde wird installiert, vorbei auch an Ludwigsfelde und Damsdorf.
29.05.1805Karl Wilhelm von der Gröben begeht Selbstmord. Sein Besitz und damit auch Ludwigsfelde geht an seinen Neffen, Hauptmann Friedrich Wilhelm Leopold von dem Knesebeck aus dem Hause Carwe im Ruppinschen über.
1805In den Kolonien Ludwigsfelde und Damsdorf, die nach schriftlichen Überlieferungen faktisch einen Ort bildeten, leben 85 Einwohner.
22.08.1813Ludwigsfelde wird im Zusammenhang mit den Gefechten um die Wietstocker Schanzen am Vorabend der Schlacht bei Großbeeren stark in Mitleidenschaft gezogen.
1823Ludwigsfelde geht testamentarisch an Wilhelm von dem Knesebeck über.
1838Der Geh. Justizrat Schulz erwirbt die beiden Güter Genshagen und Damsdorf für zusammen 128.000 Taler.
15.04.1839In der nähe von Großbeeren beginnen die Arbeiten für den Bau der Berlin – Anhaltischen Eisenbahn. An der geplanten Strecke liegt auch Ludwigsfelde/Damsdorf.
01.07.1841Eröffnung des 62,79 km langen eingleisigen Abschnittes von Anhalter Bahnhof über Trebbin und Luckenwalde nach Jüterbog. In Ludwigsfelde halten die Züge zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, es gibt hier lediglich eine Wasserstation. Die Postroute über Land wurde wieder eingestellt.
16.10.1841Mit Einführung des Winterfahrplanes Berlin – Cöthen erfolgt mit der Aufnahme des Güterverkehrs auch die Eröffnung der „Anhalteplätze“ Ludwigsfelde und Großbeeren. Zunächst hielten hier allerdings nur Güterzüge mit zusätzlicher Personenbeförderung in der II. und III. Klasse.
Standort des ersten Empfangsgebäudes
1841Bau der Straße Ludwigsfelde – Zossen als Steindamm.
Anfang 1842Zweigleisiger Ausbau des Streckenabschnittes Großbeeren – Ludwigsfelde.
April 1842Ein Direktionsbericht der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn beschreibt die Anhaltepunkte Großbeeren und Ludwigsfelde: Statt geplanter kleinerer Gebäude entstanden größere aus Fachwerk mit Wohnungen für sechs Bahnwärter und einen Einnehmer. Koksschuppen fielen weg, dafür sind Wasserstationen und Privets (Toiletten) notwendig geworden.
01.09.1843In Ludwigsfelde nimmt eine Königlich Preußische Post-Expedition ihren Betrieb auf. Ein eigenes Postgebäude existierte zwar noch nicht, aber die Bedeutung des Anhalteplatzes wächst zusehends.
1843Der Anhalteplatz Ludwigsfelde erhält einen Bahnsteig – Kostenpunkt: 60 Reichstaler.
1844Aus einer Tarifübersicht kann man entnehmen, dass eine Fahrt mit dem "Gemischten Personen- und Güterverkehr" von Ludwigsfelde bis Berlin 30 Minuten dauert und für die 2. Klasse 13, für die 3. Klasse 8 Silbergroschen kostet. "Kleine Kinder, welche im Arm getragen werden sind frei."
1845Zweigleisiger Ausbau des Streckenabschnittes Ludwigsfelde – Trebbin.
1846Der Anhalteplatz Ludwigsfelde soll wegen zu geringen Verkehrsaufkommens wieder geschlossen werden. Der energische Widerspruch seitens Landrat und Kreistag konnte dies verhindern.
21.05.1849Die Eisenbahn-Direction gibt bekannt, dass in Ludwigsfelde von jetzt an alle fahrplanmäßige Züge halten (nicht nur die Güterzüge, wie bisher). Damit besitzt Ludwigsfelde den Status einer Eisenbahnstation.
1849Zweigleisiger Ausbau der Bahnstrecke Großbeeren - Berlin. Von Berlin bis Trebbin war damit die Strecke zweigleisig vollendet.
09.07.1855Ludwigsfeldes erste Schule wird eröffnet. Sie befindet sich im neu erbauten Postgebäude. Der Klassenraum hat eine Größe von 5,5 m x 4,5 m. Hier können nun ca. 24 Schüler, die vorher nach Genshagen bzw. Löwenbruch zur Schule laufen mussten, ihrer Schulpflicht nachkommen. Erster Lehrer und Postangestellter wird Schulamtskandidat Karl August Friedrich Treptow. Das 11 x 9 m große Lehmgebäude stand an der heutigen Alten Poststraße nahe der Bahnstrecke.
ehem. ungefährer Standort
1855Einrichtung einer täglichen Landbriefbestellung bei der Post-Expedition in Ludwigsfelde.
1861Die Colonie Damsdorf besteht aus neun Haushaltungen mit insgesamt 23 Einwohnern, Ludwigsfelde aus 6 Haushaltungen mit 25 Einwohnern.
14.09.1865Hoher aber kurzer Besuch in Ludwigsfelde. Seine Majestät, der König Wilhelm I. kommt zusammen mit Seiner Königlichen Majestät, dem Kronprinzen sowie Prinz Carl und Prinz Albrecht mit einem Extrazuge in Ludwigsfelde an. Nach einem kurzen Gespräch mit Vertretern des Kreises, u.a. v. Knesebeck, v. Hake und v. Albrecht-Gütergötz verlassen sie jedoch den Ort wieder per Kutsche in Richtung Dergischow (Horstfelde), um dort an einem Manöver teilzunehmen.
1866Nahe der Schanze zwischen Ludwigsfelde und Wietstock wird ein Denkmal errichtet. Die Inschrift lautete "Hier fiel am 22. August 1813 Herr Karl Gottlieb von Wedell auf Craatz und Dauer, Major und Commandeur des (Zweiten) Uckermärkischen Landwehr-Kavallerie-Regiments."
03.07.1871Der Friedhof von Ludwigsfelde/Damsdorf wird durch Pfarrer Bublik aus Löwenbruch (1844-1871 dort Pfarrer) gewidmet. Er befand sich etwa zwischen Genshagener Straße und Bahnhofsgelände.
1871In Damsdorf leben in 5 Wohnhäusern 41 Menschen, in Ludwigsfelde in 4 Wohnhäusern 29 Einwohner und am Bahnhof in einem Wohnhaus 16 Bewohner, insgesamt also 86 Einwohner.
1872In Ludwigsfelde ist eine Filiale zur Abwicklung eines Teils des stark zugenommenen Güterverkehrs für den Anhalter Bahnhof eingerichtet worden. Ein großzügiger Güterschuppen entstand.
ehem. Standort
Juli 1875Ein großes Unglück überkommt Teile des Teltower Kreises. Die Menschen leiden unter einer furchtbaren Heuschreckenplage. Es soll sich um die Afrikanische Wanderheuschrecke handeln. Auch auf den Feldern zwischen Ludwigsfelde und Kerzendorf werden große Schäden dokumentiert. Die Menschen mussten ratlos zusehen wie ihre Anpflanzungen vernichtet wurden.
1876Die Ludwigsfelder Schule wird wieder geschlossen. Grund hierfür waren wohl das hohe Alter (62) des Lehrers und dessen Doppelbelastung im Post- und Schulamt, was zu nur unzureichenden Leistungen der Kinder führte. Sie mussten nun zunächst wieder die Schulen in Genshagen bzw. Löwenbruch besuchen.
1880Ausbau der Chaussee von Zossen nach Ludwigsfelde.
17.12.1881Tod von Lehrer Treptow. Er hinterlässt eine Ehefrau und sieben Kinder, die fortan in bitterer Armut lebten.
31.12.1886Im neu herausgegebenen Telephon-Verzeichnis für Berlin mit seinen Vororten ist Ludwigsfelde mit 2 Anschlüssen vertreten.
1886Eröffnung des neuen Stationsgebäudes, später auch Fertigstellung dreier zugehöriger Eisenbahnerhäuser in Ludwigsfelde. Die Angabe „Berlin 24,51 Kilom.“ auf der Gleisseite des Bahnhofs beschreibt die Entfernung zum heute nicht mehr existierenden Anhalter Bahnhof in Berlin. Der Anbau mit der weiteren Fensterachse wurde erst später hinzugefügt.
1890Polnische Arbeiter legen die Rieselfelder zwischen Sputendorf und Vorwerk Schenkendorf an.
1892Bau des Chausseehauses in Ludwigsfelde. Hier wurde bis 1907 der Straßenzoll erhoben. Das Gebäude befand sich am Ende der Alten Poststraße und musste im Zusammenhang mit den Straßenumbauarbeiten (Kreisverkehr) abgerissen werden.
Näheres dazu hier:
ab 1892Die Zubringerstraßen von Ludwigsfelde/Damsdorf zu den umliegenden Gemeinden werden befestigt.
1893Im Vorwerk Schenkendorf wird mit dem Bau zweier Arbeiterhäuser begonnen.
1896Auf dem Schenkendorfer Vorwerk, das inzwischen aus einem Gutshaus, einigen Wirtschaftsgebäuden und zwei Landarbeiterhäusern besteht, wird in einem alten Gebäude eine Einklassenschule eingerichtet.
30.12.1898Der zwischen der Genshagener Straße und Eisenbahn, nahe der Bahnstrecke gelegene Friedhof von Damsdorf wird wieder geschlossen und gerät zunächst in Vergessenheit.
November 1899Die Anzahl der Telefonanschlüsse für Ludwigsfelde erhöhte sich im vergangenen halben Jahr um sagenhafte 50%. Diese Zahl ergab sich allerdings durch nur einen Neuanschluss.

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